Willi Hardeck – Ein Rohrbacher Fotografenmeister

1976 Willi Hardeck im Alter von 63 Jahren

1976 Willi Hardeck im Alter von 63 Jahren

Willi Hardeck geboren am 27. Februar 1913 in Rohrbach hatte ein bewegtes Leben. Wie kaum ein zweiter, hat er Bilder von Rohrbach in den Vorkriegs- und Nachkriegsjahren „geschossen“, die man wahrlich als einmalige Dokumente in die Ortsgeschichte einordnen kann.  Als Sohn von Franz und Anna Hardeck wuchs er mit seinem Bruder Albert in armen Verhältnissen in der Schlawerie (Spieserstraße) auf.

Kurz nach Beginn des 1. Weltkrieges fiel sein Vater im Dezember 1914. Seine Mutter heiratete 1923 Fritz Leiner, in Rohrbach bestens bekannt, als das „Eismännchen“. Gegen den Willen seines Stiefvaters suchte sich Willi eine Lehrstelle als Fotograf. Er wollte unbedingt sein Hobby zum Beruf machen. Im Jahre 1930 legte er seine Gesellenprüfung ab. doch es war schwierig eine Anstellung zu bekommen, sodass er sich auf  „Wanderschaft“ begeben musste.

Willi Hardeck mit seiner Mutter Anna

Willi Hardeck mit seiner Mutter Anna

Nach der Machtergreifung von Hitler ging Willi Hardeck zum Arbeitsdienst. Vermutlich wurde er beim Autobahnbau eingesetzt. 1935 heiratete er seine Frau Ellen Becker, die er im Rohrbacher Cäcilienchor kennenlernte.

Das Ehepaar Ellen und Willi Hardeck im Jahre 2008

Das Ehepaar Ellen und Willi Hardeck im Jahre 2008

Im Jahre 1939 bekam er eine Anstellung als Fotograf in einem großen Fotogeschäft in Chemnitz. Kurz danach begann der 2. Weltkrieg. Da er nicht mehr im Saarland wohnte, kam er zur Sicherung der Westgrenze nach Frankreich. Er war in jener Zeit immer noch Angestellter als Fotograf  bei Optiker Köhler in Chemnitz.

Um 1937 Bau eines Schießstandes am Mühlenwäldchen

Um 1937 Bau eines Schießstandes am Mühlenwäldchen

Sein Chef beauftragte ihn soviele Bilder wie möglich vom Kriegsgeschehen zu „schießen“. Er hatte zwar ein Gewehr, „schoss“ aber nur mit der Kamera. Als sein Regiment nach Russland abkommandiert wurde, hatte er die Bartflechte und durchwanderte Krankenhäuser in Monte Carlo, Nürnberg, Bayreuth, Hof und Chemnitz.

Um 1935 Die Detzelstraße (En de Seye) Richtung Bahnhofstraße

Um 1935 Die Detzelstraße (En de Seye) Richtung Bahnhofstraße

Hier weitere Fotos der Detzelstraße um 1935:

Rb 1935.12

Rb 1935.13

Rb 1935.14

Nach seiner Genesung kam er nach Griechenland und später nach Kreta. Willi Hardeck war sehr kontaktfreudig, freundete sich mit vielen Kretern an, lernte schnell griechisch und wurde so als Übersetzer eingesetzt. Deshalb wurde er dem Postdienst zugeordnet. Eines Tages versäumte er den Appell, weil er bei einer einheimischen Familie zur Hochzeit eingeladen war. Er sollte strafversetzt werden. Doch er hatte Glück, denn zur gleichen Zeit suchte die Kartenstelle einen Fotografen. Nun wurde er zum Stabsgefreiten befördert und kam als Fotograf zum Karten-Korps. Dort blieb er bis Kriegsende 1945.

Um 1935 Die Kaiserstraße im Ewwerdorf. Rechts gehts in den Talgarten

Um 1935 Die Kaiserstraße im Ewwerdorf. Rechts gehts in den Talgarten

Willi Hardeck kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Da er in seinen letzten Wohnsitz Chemnitz (lag nun in der sowjetisch besetzen Zone) nicht entlassen werden konnte, gab er als Wohnsitz Rohrbach an. Nun war er wieder in seiner alten Heimat, jedoch seine Familie in Chemnitz. Nach einigen Monaten Aufenthalt in Rohrbach wollte er unbedingt zu seiner Familie nach Chemnitz.

Um 1935 Blick auf die Pullwar

Um 1935 Blick auf die Pullwar

Hier weitere Fotos von der Pullwar.

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Frau Gaffga + Frau Hammann auf der Pullwar

Doch Chemnitz lag in Schutt und Asche. Sein früherer Arbeitgeber Optik & Foto Köhler gab es nicht mehr. Er arbeitete als Gleisarbeiter in der Rotte bei der Bahn. Einige Monate später konnte er wieder in seinem geliebten Beruf als Fotograf bei Foto König in Chemnitz arbeiten. Nebenbei fuhr an den Wochenenden zum “ Hamstern “ übers Land, fotografierte bei den Bauern und ließ sich die Bilder mit Naturalien bezahlen.

Blick auf die steilste Straße in Rohrbach, die frühere Barbarastraße und heutige Pestalozzistraße.

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1948 legte er seine Meisterprüfung als Fotograf ab und war danach Mitglied im Prüfungsausschuß. Er war in seinem Beruf anerkannt.Doch richtig zufrieden war er in seiner Mietwohnung auf dem Kasberg in Chemnitz nicht mehr. Der Ruf der Heimat war stärker. Der sehr heimatverbundene Willi Hardeck, ein Rohrbacher Urgestein, wollte wieder in seine Heimat. Mit vielen Tricks bekam er für seine mittlerweile 4-köpfige Familie 1951 ein Ausreisevisum aus der DDR.  Kurz danach schloss sich der “ Eiserne Vorhang „.

Stellwerk im Pfeifferwald

Stellwerk im Pfeifferwald

Blick von der Fink auf die Johanneskirche

Blick von der Fink auf die Johanneskirche

Blick auf den Rohrbacher Bahnhof

Blick auf den Rohrbacher Bahnhof

Die Bahnhofstraße

Die Bahnhofstraße

Blick von der Kaiserstraße auf den Hochrech

Blick von der Kaiserstraße auf den Hochrech

 Fotos, die Willi Hardeck vor und nach dem 2. Weltkrieg mit seiner Kamera „schoss“.

In Rohrbach angekommen musste er sich eine neue Existenz aufbauen. Als Fotograf bekam er zunächst keine Anstellung, sodass er bei der Firma Theodor Jansen in Rohrbach als Hilfsarbeiter tätig wurde. In seiner Freizeit fotografierte er für die Presse. Das ging solange bis er bei Foto Eclair in Saarbrücken einen Job bekam. Nun ging es wieder aufwärts. Er wurde Geschäftsführer und blieb dort bis zu seiner Pensionierung.

Als Rentner unternahm er mit seiner Frau viele Urlaubsreisen. So besuchte er in den 80er Jahren Freunde in Kreta, die er während des 2.Weltkrieges dort kennengelernt hatte.

Seit seiner Jugend war Willi Hardeck ein begeisterter Sänger im Männerchor 1860 Rohrbach. Insgesamt war er über 80 Jahre Mitglied und immer dabei, wenn der Verein auf Reisen ging. Bis zu seinem 85. Geburtstag ging er regelmäßig zum Singen.

1995 Willi Hardeck wird beim 135-jährigen Jubiläum des Männerchores 1860 vom Vorsitzenden Konrad Wendel geehrt. Auf dem Foto in der 1. Reihe von links: Konrad Wendel, Willi Hardeck, Gerhard Schaar, Heinz Gehring (de Klowe) und Friedrich Dumont (Wirt der Gaststätte Glashütterhof)

1995 Willi Hardeck wird beim 135-jährigen Jubiläum des Männerchores 1860 vom Vorsitzenden Konrad Wendel geehrt. Auf dem Foto in der 1. Reihe von links: Konrad Wendel, Willi Hardeck, Gerhard Schaar, Heinz Gehring (de Klowe) und Friedrich Dumont (Wirt der Gaststätte Glashütterhof)

Noch mit 92 Jahren machte er seinen täglichen Spaziergang. Doch die letzten Jahre fiel ihm das Laufen immer schwerer, sodass er bis zu seinem Lebensende an das Haus gebunden war. Willi Hardeck starb am 19. November 2011 im Alter von fast 99 Jahren.

Willi Hardeck wird in der Rohrbacher Geschichte dank seiner vielen historischen Fotos in Erinnerung bleiben.

Es werden auch in späteren Artikel auf dieser Seite immer wieder Fotos von Willi Hardeck auftauchen, so z.B. über die Rohrbacher Siedlung, die Geschichte der Kaiserstraße oder den Glashütterhof.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Dr. Willi Hardeck, Claus-Dieter Hardeck, Albert Senzig und den Rohrbacher Heimatfreunden.

3 Gedanken zu “Willi Hardeck – Ein Rohrbacher Fotografenmeister

  1. Hallo Karl!
    Habe deinen Eintrag über Willi Hardeck gesehen.
    Wieder interessante Eindrücke vom ehemaligen Rohrbach,
    die mir in Natura noch bestens vertraut sind.
    Vielen Dank für dein Bemühen
    von Günter Jung!

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  2. Lieber Karl,
    habe mir eben Deine neueste Seite – Willi Hardeck – angeschaut; toll. War immer der Meinung, Hardeck sei von „auswärts“ gewesen. Jetzt in meinem Alter lerne ich erst die Rohrbacher Leute kennen! Aber die Bilder wecken Erinnerungen an früher. Die Detzelstraße kannte ich ja auch noch so, weil ich die ersten fünf Jahre in „der Hohl“ gewohnt habe. Danke für Deine Mühe.
    Schönen Sonntag und Gruß Klothilde.

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  3. Hallo Karl,

    Dieser Beitrag hat mich wieder tief berührt. Wäre es nicht für diesen Artikel, hätte ich niemals von dem Leben des Willi Hardeck gewusst. Eine sehr gut gelungene Darstellung und Eindruck von der alten Heimat.

    Else Bens
    Ottawa, Canada

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