Der Glashütterhof – Die Geschichte der Rohrbacher Glashütte

Eine Postkarte vom Glashütterhof aus den 30er Jahren

Eine Postkarte vom Glashütterhof aus den 30er Jahren

Als Gründer der Rohrbacher Glashütte wird ein Dr. Disidus Rover genannt, der von 1662 bis 1697 katholischer Pfarrer in Homburg war. Die Rohrbacher Glashüitte gehörte damals den Herzögen von Zweibrücken die das Anwesen auf der Basis strenger Verträge verpachteten. Ein erster Versuch zur Gründung einer Glashütte schlug 1696 fehl, weil es an Fachleuten mangelte. Es dauerte dann 50 Jahre lang bis ein neuer Versuch gestartet wurde, eine Glashütte zu gründen.

1746 erwirbt ein Johannes Weigand das Recht im Glashüttertal eine Glashütte zu errichten.
Zu dem Gesamtkomplex gehörte ein Hofgut in der Größe von 80-100 Morgen Wald,
Wiesen, Ackern und 3 Weihern entlang des Kleberbaches.
1747-48 wurde mit der Glasproduktion begonnen. Es wird ein Glasmachermeister Wolfgang
Eberhard Nikolaus und ein Glasmacher Nikolaus Niebling genannt.
Die Produktion von Gebrauchsglas gab schließlich dem Ort und dem ganzen Tal seinen
Namen, ..Rohrbacher Glashütte“

Der Glashütterhof um 1930

Der Glashütterhof um 1930

Die Glasproduktion lohnte sich nicht. Der Grund war, dass die Nachbarglashütten in
Friedrichstal und Merchweiler schon mit Kohle feuerten, die Rohrbacher aber noch auf
Holzfeuerung angewiesen waren, was ein unüberbrückbarer Wettbewerbsnachteil war.
Geldgeber für eine Umrüstung auf Kohlefeuerung waren nicht vorhanden. Die benötigten Mengen an Steinkohle waren enorm. So sollte der St. Ingberter Kohlenhändler Menges laut einem Vertrag die Steinkohlen liefern aber der Hüttenbeständer konnte nicht zahlen.

Um 1930 das Anwesen von Ludwig Pauly. Links ist das Wohnhaus mit Stall, Scheune und Heuspeicher. Rechts ist das Wohnhaus mit Gastwirtschaft zu sehen, das 1876 von Christian Riedschy, der in die Familie Hussong einheiratet, erbaut. Hier befindet bis zum Jahr 1982 das Gasthaus von Hannelore und Lothar Kaiser

Um 1930 das Anwesen von Ludwig Pauly. Links ist das Wohnhaus mit Stall, Scheune und Heuspeicher. Rechts ist das Wohnhaus mit Gastwirtschaft zu sehen, das 1876 von Christian Riedschy, der in die Familie Hussong einheiratet, erbaut. Hier befindet bis zum Jahr 1982 das Gasthaus von Hannelore und Lothar Kaiser

1749 wurde die Glashütte wegen zu hoher Schulden von einem Jakob Stenger ersteigert. Auch
Stenger geriet in finanzielle Schwierigkeiten. 1752 war auch Stenger bankrott.
1753 war die Rohrbacher Glashütte in einem ,,ganz ruiniertem Zustand“, weder Fenstern noch Türen waren vorhanden
Im gleichen Jahr ordnete die Rentkammer (herzogliche Behörde) eine Besichtigung der
Glashütte an, um den Zustand und die Kosten der Erneuerung an der Glashütte feststellen zu lassen.

1939 Gäste in der Gartenwirtschaft Hussong-Pauly

1939 Gäste in der Gartenwirtschaft Hussong-Pauly

1754  wurde die Glasproduktion endgültig eingestellt und die Glashütte versteigert. Barthel Hussong Schneidermeister und Landwirt in Webenheim ersteigert am 26.01.1754 die Rohrbacher Glashütte und wird l. Hofbeständer. Auch er hatte kein Glück, das Vieh hatte ihn bettelarm gefressen. Er starb 1764/65.
1765 werden die ältesten Söhne Johann Georg und Johann Peter Hussong sowie Andreas
Russi, Schwiegersohn von Barthel Hussong Bestandsnachfolger auf dem Glashütterhof.
Während der französischen Revolution ändert sich der Besitzerstatus: Aus Pächtern der Hofteile werden Eigentümer. Nach mehreren Generationen heiratet am 8. Februar 1872 Elisabeth Hussong, zehntes Kind von insgesamt 12 des Johann Wilhelm Hussong, wohnhaft im heutigen Haus Jung einen Christian Riedschy aus Dudweiler. Das Ehepaar erbaut 1876 das Haus am Eingang des Glashütterhofes, das spätere Gasthaus „Rohrbacher Glashütte“

Großgrundbesitzer Ludwig Pauly senior im Jahr 1955. Er stirbt am 20. Juli 1956 im Alter von 86 Jahren

Großgrundbesitzer Ludwig Pauly senior im Jahr 1955. Er stirbt am 20. Juli 1956 im Alter von 86 Jahren

Ludwig Pauly junior hier mit seiner Ehefrau Elisabeth. In Rohrbach ist er nur bekannt als "de Glashütter Lui". Mit seinem Pferd ist er oft in Rohrbach unterwegs um "Saufressen" heimzufahren

Ludwig Pauly junior hier mit seiner Ehefrau Elisabeth. In Rohrbach ist er nur bekannt als „de Glashütter Lui“. Mit seinem Pferd ist er oft in Rohrbach unterwegs um „Saufressen“ heimzufahren

Frau else Pauly mit ihrem Pferd Fritz

Frau Else Pauly mit ihrem Pferd Fritz

1958 Heuernte auf dem Glashütterhof. Ludwig Pauly ("de Glashütter Lui") mit seinen hübschen Töchtern Ursula, Gerlinde und seinem Pferd Fritz

1958 Heuernte auf dem Glashütterhof. Ludwig Pauly („de Glashütter Lui“) mit seinen hübschen Töchtern Ursula, Gerlinde und seinem Pferd Fritz

1999 Drillinge auf dem Glashütterhof. Thomas Jung , ein Ur-Enkel von Ludwig Pauly senior mit seiner Mutter Gerlinde (Tochter vom Glashütter Lui)i und seiner Ehefrau Silvia

1999 Drillinge auf dem Glashütterhof. Thomas Jung , ein Ur-Enkel von Ludwig Pauly senior mit seiner Mutter Gerlinde (Tochter vom Glashütter Lui) und seiner Ehefrau Silvia

Am 24. November 1900 steht nach fast 150 Jahren ein erneuter Versteigerungstermin an und das gesamte Anwesen Hussong- Riedschy mit den beiden Häusern, Nebengebäuden und circa 100 Morgen Wiesen und Ackern geht an Ludwig Pauly, der wie bereits der Gründer des Hofes, Barthel
Hussong, ebenfalls aus Webenheim stammt. Pauly kauft weiteres Land auf, wie die vorliegenden 15 Kaufverträge belegen. Darunter ist auch das Anwesen von Peter Rau mit über 6 Hektar Land, das Pauly im Jahr 1917 ersteht, sodass insgesamt über 31 Hektar (rund 126 Morgen) durch die Hände der Familie Pauly gehen. Fast das gesamte Glashüttertal bis hinauf zur Glashütter Dell, wo die heutige Edelweißhütte steht, gehörte damals den Paulys. In der Tat, ein großes Hofgut für unsere Gegend, das dank Paulys Initiative 1929 Strom und Wasser, damals noch von der französischen Grubenverwaltung – Mines Domaniales francaises de la Sarre-erhält.

Um 1900 - Die erste Wirtschaft auf dem Glashütterhof. Um 1920-21 wird sie geschlossen und 1934 wegen Baufälligkeit abgerissen

Um 1900 – Die erste Wirtschaft auf dem Glashütterhof. Um 1920-21 wird sie geschlossen und 1934 wegen Baufälligkeit abgerissen

Der aus Saarlouis-Roden stammende Peter Rau kommt 1860 bis 1870 durch Ersteigerung oder Einheirat in die Linie Russy (anschließend Neuschwander und Klein) in den Besitz deren Hofes. Deren Hof stand mit den zugehörenden Stallung und zwei Schuppen auf dem heutigen Parkplatzgelände am Glashütterhof. Noch vor 1906 erwirbt Rau eine Schankerlaubnis. Dies ist die Geburtsstunde der ersten Wirtschaft auf dem Glashütterhof. Als Ludwig Pauly das Gebäude erwirbt, geht auch die Konzession an ihn über. Im Jahr 1921 eröffnet er im ehemaligen Riedschy Haus eine eigene Gastwirtschaft.

Nur das Wohnhaus mit drei Zimmern bleibt von der ersten Gastwirtschaft auf dem Glashütterhof bestehen Standort ist der heutige Parkplatz am Glashütterhof

Nur das Wohnhaus mit drei Zimmern bleibt von der ersten Gastwirtschaft auf dem Glashütterhof bestehen Standort ist der heutige Parkplatz am Glashütterhof

Aus der Chronik der Familie Hussong wird eine Familie Johann Jakob Jung genannt, die 1790 noch Hofbesitzer auf dem Glashütterhof waren. Sie hatten 2 Töchter Salome und Elisabeth. Nähere Angaben sind nicht bekannt. Es wird angenommen, dass die Töchter diesen Teil des Hofes, mit Wohnhaus, Stall und ca. 4 Morgen Land 1860/70 verkauft haben. Ein Georg Valentin Wagner Schlaghüter auf der Rohrbacher Glashütte, hat diesen Besitz 1860/70 erworben. Er war 1824 geboren und heiratete eine Magdalena Hauser. Die Tochter Wilhemine Wagner, die am 04.05.1849 auf dem Glashütterhof geboren wurde, heiratet am 12.04.1873 einen Ludwig Hussong geb. 02.06.1846. DessenTochter Bertha Hussong heiratet einen Konrad Scherer geb. 01.11.1881 auf der Spieser Mühle. Schwiegersohn Konrad übernimmt um die Jahrhundertwende das Anwesen, der das Wohnhaus 1914 umbaute.

1935 Die heutige Gastwirtschaft "Rohrbacher Glashütte"

1935 Die heutige Gastwirtschaft „Rohrbacher Glashütte“

Fotos des Glashütterhofs Anfang der 50er Jahre.

4 - A

2 - A

1 - A

3 - A

5 - A1929 eröffnete Familie Konrad Scherer ein Kaffee und erwarb 1930 die Konzession zum Alkoholausschank. 1941 übernahm eine Familie Hugo Dhein, 1956 ein Adolf Lindinger, 1958 eine Familie Lenge und 1963 eine Familie Denne (heute Dumont) die Gastwirtschaft, die heute noch von Familie Dumont unter dem Namen: ,,Gasthaus zur Rohrbacher Glashütte“ geführt wird. Sie ist seit über 40 Jahren im Besitz der Familie Dumont und heute ein beliebtes Ausflugsziel.

ca. 1950

1950 Die Gaststätte Glashütterhof

Um 1964 Das Gasthaus „Zur Glashütte“

Heutige Gaststätte "Zur Glashütte"

Heutige Gaststätte „Zur Glashütte“

Überfall auf dem Glashütterhof

Eine historische Begebenheit, an die sich nur wenige Mitbürger erinnern, beziehungsweise noch nie etwas über den Überfall gehört haben. Der Überfall ereignete sich am 13. Januar 1946 vor nunmehr 70 Jahren. Hannelore Kaiser, Gerlinde Jung, geborene Pauly und Blandina Michaeli, geborene Klam (Mutter stammt vom Glashütter Hof) schilderten folgenden Ablauf. Hannelore Kaiser, geborene Hussong, berichtete: ,,Der Uberfall geschah in der Nacht vom 13. Januar 1946. In dieser Zeit war noch eine Sperrstunde angeordnet, d.h. nach 21 Uhr durfte niemand mehr ohne Sondergenehmigung auf die Straße gehen. Gegen 23 Uhr, so berichtete Hannelore Kaiser, fuhren mindestens sechs Männer in Militäruniform mit amerikanischen LKW auf das Gelände der Glashütte in Rohrbach und sperrten die Eltern von Hannelore Kaiser in das Schlafzimmer ein. Alles, was in Küche und Wirtschaft brauchbar war, wurde eilends zusammen gerafft, auf die LKW geladen und mitgenommen. Das Gleiche geschah auch in den Anwesen von Familien Dhein und Pauly. Bei Ludwig Pauly wurden außerdem noch ein lebendes Schwein und alle ,,eingesulberte“ (eingepökelte) Fleisch- und Wurstvorräte mitgenommen. Die gesparten 2OOO Mark von Hannelore Hussongs Großvater hatten die Räuber glücklicherweise übersehen. Nach ca. zwei Stunden waren alle Räuber auf einen Pfiff und Hubton plötzlich verschwunden. Ein französischer Offizier kam einige Tage später auf die Glashütte und ließ sich den Überfall schildern und die zuständige französische Kriminalpolizei (Suretee) nahm den Uberfall auf. Nachforschungen durch die Militärbehörde führten zu keinem Ergebnis. Man vermutete damals, dass Bewohner des Fremdarbeitslagers Lebach an dem Überfall beteiligt waren. Männer aus Neumühle nahe Landstuhl wurden ebenfalls vernommen und zur Gegenüberstellung nach St. Ingbert gebracht, jedoch ohne Ergebnis.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Gerlinde und Ernst Jung, den Rohrbacher Heimatfreunden, Walter Gehring, Albert Senzig, Horst Diehl und Friedrich Müller.

5 Gedanken zu “Der Glashütterhof – Die Geschichte der Rohrbacher Glashütte

  1. Ich bin begeistert von der Arbeit des Autorenteams, und ich werde mich bei Gelegenheit mit ihnen Kontakt aufnehmen, um Informationen auszutauschen. Schon vor mehr als 10 Jahren habe ich im Band IIa meiner Familienchronik HUSSONG die Rohrbacher Glashütte mit ihren Bewohnern behandelt, auch mit Unterstützung von Herrn Hans Cappel.
    Einige Exemplare dieses Bandes habe ich noch.

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  2. Heiner Theobald
    27. Februar 2016

    Hallo Karl,
    immer wieder schön solche Erinnerungen zu sehen.
    Bin ganz begeistert von Deiner Arbeit.
    Mach weiter so.
    Viele Grüße aus St.Ingbert
    Heiner Theobald

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    • Hallo Karl!
      Habe Deinen Beitrag zur Glashütte gelesen, was für mich als alter Rohrbacher
      sehr interessant ist, da ich die Glashütter Geschichte teilweise von meiner
      Kindheit an miterlebt habe.
      Vielen Dank für Dein Bemühen, auf dass Du uns noch weiter mit vergangenen Geschichten
      erfreuen mögest.
      Gruß Günter Jung

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  3. Hallo lieber Karl;
    vielen herzlichen Dank fuer Deine, immer sehr interessante und informativen Artikel von der alten Heimat. Erinnere mich an die Glashütte; wir gingen ab und zu mal, im Sommer, mit unserern Eltern, nach einem Spaziergang, dorthin und durften dann ein Sinalco trinken~! Aber die Geschichte dieses Besitzes zu lesen und wie alt es schon ist ~ fantastisch~! Bin ein grosser Fan von Deiner ‚Arbeit‘ so wie viele Andere; wir danken Dir, dass Du uns in der Ferne, immer wieder ein Stück „Heimat“ ermittelst~!
    Viele liebe Grüße, Renee Panfil (Renate Huss)

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  4. Hallo Karl,
    wie viele andere Rohrbacher Bürger, war ich sehr beindruckt von der Tiefe dieser Nachforschung. Hätte in Kanada niemals von der Vergangenheit des Glashütterhofes gewusst, wäre es nicht für die Veröffentlichung dieses Artikels auf Deiner Webseite. Kannst sehr stolz auf dieses erfolgreiche Werk sein. Freue mich schon auf zukünftige Kreationen von der alten Heimat.
    Herzliche Grüße
    Else Bens
    Ottawa, Ontario, Canada

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