Die Rohrbacher Kirmes hat seit 1896 immer einen festen Termin, nämlich am ersten Sonntag nach dem 21. September. Der Gemeinderat von Rohrbach hat in seiner Sitzung vom 12. Juni 1896 folgendes zu Protokoll gegeben:
„Zufolge Auftrages des königlichen Bezirksamtes faßt hiermit der Gemeinderat Rohrbach den Beschluß, dass künftighin das Kirchweihfest für Rohrbach auf den ersten Sonntag nach dem 21. September fallen soll, damit nicht in einzelnen Jahren das örtliche Kirchweihfest mit dem Ernte-Dankfest in der protestantischen Kirche zusammenfällt“.

Rohrbacher Firmen und Geschäfte im Kerweblatt 1927
In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts fand der Kirmesmarkt mit den Ständen und Karussells in der Kaiserstraße zwischen dem ehemaligen Gasthaus Erbelding (heute Bäckerei Jakobs) und der Drehscheibe statt.

Kirmestreiben in den 20er Jahren in der Kaiserstraße vom Gasthaus Zur Post (Glasersch) aus gesehen. Links die Treppe der Johanneskirche. Im Hintergrund die Marktstände und Karussells
Andreas Deckarm („de alt Persil“) erzählte 1963 dem verstorbenen Lokalreporter Albert Senzig: „An den Vorkirmestagen sammelten die Rohrbacher Buben ihr Kirmesgeld ein, das sie sich durch das Geißenhüten verdienten. Für das Hüten einer Geiß erhielten die Buben drei Pfennige und für zwei Geißen fünf Pfennige. Damals gab es in Rohrbach noch viele Hundert Geißen, von denen die Buben jeweils 10 bis 20 Geißen gehütet haben“

Um 1924 Straußbuben und -mädchen im Eck

1927 Kirmesgesellschaft im Gasthaus Luitpoldslust im Unnerdorf
Gleichzeitig war die Kirmes ein großes Familienfest, zu dem zahlreiche Verwandte anreisten. In der Kirmeswoche hatten die Hausfrauen reichlich viele Hausarbeiten zu erledigen. So erzählte Andreas Deckarm, dass eine Frau einer 13-köpfigen Familie 40 Kuchen gebacken habe.

1931 Kirmesgesellschaft – Halblinks auf dem Foto in der vorderen Reihe eine mitgeführte Kuh. Das Foto ist vermutlich vor einem Haus im Eck entstanden
Drei Tage, von Sonntag bis Dienstag, wurde zünftig Rohrbacher „Kerb“ gefeiert.So mancher Berufstätige bekam keine „Schicht“. Der Produktionsausfall in den Rohrbacher Firmen soll so beträchtlich gewesen sein, dass die Pfälzische Handwerkskammer sich einschaltete und eine Verkürzung der Kirmesfeierlichkeiten forderte. Der Gemeinderat beschloss jedoch dem Antrag der Handelskammer nicht stattzugeben.

Um 1940 Kettenkarussell auf der Rohrbacher Kirmes
Auch in den Kriegsjahren wurde die Rohrbacher Kirmes weiterhin munter an drei Tagen gefeiert. In allen Gastwirtschaften herrschte reges Treiben. Musikkapellen spielten zur Unterhaltung und zum Tanz. Auf dem Marktplatz standen Karussells und Verkaufsstände.

In den 50er Jahren: Kirmesgesellschaften vor Rohe’s Wirtschaft in der Spieserstraße

1952 Viel Treiben vom Kirmesplatz durch die Bahnhofsstraße zur Drehscheibe

Blick von der Christuskirche nach Norden. Rechts im Bild der große, freie Platz war bis 1962 der Marktplatz gegenüber dem Kaufhaus Karl Gaffga. Hergerichtet wurde er Ende der 30er Jahre vom Reichsarbeitsdienst (RAD). Links im Bild die Eckstraße mit den ehemaligen SAM-Werken
Später entstand auf diesem Platz das neue Rathaus, in dem von 1966 bis 1973 die Gemeindeverwaltung Rohrbachs und von 1974 bis Mai 2016 die Verwaltung der Stadtwerke St. Ingbert ihren Sitz hatte.

1956 Blick von der Bahnhofstraße auf den Marktplatz mit den Karussells und den Verkaufsständen. Auf dem Foto die Kinder Karl und Anita Abel sowie Margarete Jakob
Der Bär auf der Rohrbacher Kirmes 1954
Der kleine Junge fühlt sich ersichtlich nicht wohl in seiner Haut. Vergeblich hat er sich gegen das Ansinnen seiner Eltern, ihn mit dem Bären fotografieren zu lassen, gesträubt. Zu übermächtig war die Angst vor dem großen Bären. Um dem Jungen zu zeigen, dass keine Gefahr bestand, hatte der Mann, der im Bärenfell steckte, sogar den Kopf des Bärenkostüms angehoben und sein Gesicht gezeigt. Dieser Beruhigungsversuch verkehrte sich jedoch ins Gegenteil. Denn der Junge sah jetzt mit seinen eigenen Augen, dass der Bär den Mann gefressen hatte, so wie der Wolf Rotkäppchens Großmutter. Niemand verstand die Panik des Jungen und so wurde er trotz seiner Gewissheit, als nächster gefressen zu werden, mit dem Bären fotografiert. Noch heute, mehr als 70 Jahre danach, träumt er hin und wieder von Bären und anderen Untieren, die ihn fressen wollen.

1954 Der kleine Axel Schwarz steht ehrfürchtig vor einem Eisbären auf dem Kirmesplatz

1963 Ausbaggern für das neue Rohrbacher Rathaus. Das Schicksal des jahrelangen Marktplatzes war endgültig besiegelt

Erstmals wurde 1963 das Johannesfest und die Kirmes auf dem neuen Marktplatz im Wiesental gefeiert




1964 Staußbuben und- mädchen in den 60er Jahren

1965 Die Bierkehlchen bringen beim Frühschoppen im Gasthaus Zur Post (Glasersch) am Kirmessonntag ein Ständchen. Albert Knoch bittet um eine kleine Spende

1966 Kirmesmontag an der Edelweißhütte. Auf dem Foto stehend von links: Kurt Braun, Erich Fleck, Albrecht Jung, Peter Stolz, Helmut Brass, Edi Klam, Herbert Staub, Hermann Noll, Otto Wellner, Nikolaus Best, Albert Pfeifer, Heinz Abel, Hans Zeiger. Kniend von links: Theo Scholl, Willi Kaiser, Rudolf Staut (Schersche), Alex Luckas, Arnold Abel (de Knoche)

1987 Die „Neinzicher Bierbuwe“ als Straußbuwe.Auf dem Foto stehend von links: Michael Dusemond, Thomas Niewalda, Lawrence Beck, Thomas Klam, Günter Spaniol, Markus Kolling, auf der Schulter Rainer Klam und Markus Groh. Kniend von links: Roland Weber, Jürgen Agne, Jürgen Stolz, Christoph Schwarz, Volker Tobae, Klaus Schwarz und Peter Hien

2017 Die Rohrbacher Straußjugend vor der Rohrbach Apotheke mit dem damaligen Ortsvorsteher Roland Weber
Das Überangebot an Festen der letzten Jahrzehnte, Dorffeste, Vereinsfeste und Oktoberfest ließen die alten Bräuche wie Hammelaustanzen, Umzug der Straußbuben, Tanzveranstaltungen und das Einsammeln des Kirmesgeldes der Geißenhüter nach und nach in Vergessenheit geraten. Es kamen immer weniger Schausteller. Gründe waren die unzureichenden Einnahmen und zeitgleiche Feste in der Umgebung.

So sah der Kirmesplatz 2009 aus
Um nicht noch mehr Tristesse aufkommen zu lassen, rief der Männerchor 1860 im Jahr 2000 das „Kerwesingen“ ins Leben. Den Auftakt der Kirmes bildete ein Festzug vom ehemaligen Rathaus in der Bahnhofstraße, durch die Eckstraße, Hinter den Gärten zum Hof der ehemaligen Wiesentalschule.
Einige Impressionen von verschiedenen Kerwesingen im Hof der ehemaligen Wiesentalschule

2009

2010

2015

2015

2023

Der Flyer für die die Kirmes 2026
Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. Axel Schwarz, Manfred Agatter, Karl Gebhardt, Walter Gehring, Günter Weiland, Roland Weber, Stephan Schweitzer, den Rohrbacher Heimatfreunden und Doris Abel.

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