„Ohne Melfor-Essig und Amora-Senf fahren meine Frau und ich nicht in Urlaub“, beteuerte etwa der saarländische Autor und Lebensart-Kenner Charly Lehnert über die bisher in Rohrbach produzierten Artikel. Leider wird die Produktion dieser Artikel Ende des Jahres 2026 nach Frankreich verlagert.
Wobei der Essig „Melfor Traditionell“ , erkennbar an der durchsichtigen Flasche mit gelbem Deckel und Etikett, ganz vom Markt verschwindet und damit ein Stück Alltagskultur. Diese Entscheidung traf das französische Mutterunternehmen im Elsass. Künftig gibt es nur noch das französische „Melfor Original“.

Künftig gibt es nur noch Melfor Original

Kundeninformation zum Produktionswechsel
Gemeinhin gilt Melfor als saarländisches Produkt. Doch die Ursprünge der beliebten Würze liegen in Straßburg. Im Jahr 1919 produzierte ein gewisser Fritz Sprenger erstmals eine Mixtur aus Essig, Honig und Pflanzenextrakten. Das Produkt trat 1922, für das unter den Slogans „Plus doux que le vinaigre“ oder „Sanfter als Essig“, seinen Siegeszug von Straßburg aus grenzüberschreitend bis zu Saar und Mosel an. Spätestens 1950 war die Marke hierzulande fest etabliert.
Unter der Leitung von Erich Urban, dem Schwiegersohn von Fritz Sprenger, wurde 1959 in Saarbrücken die erste Filiale des Unternehmens gegründet. Nach ihm wurde das Unternehmen auf den Namen „Melfor-Würzmittel Erich Urban GmbH“ getauft. Bis zum wirtschaftlichen Anschluss an die Bundesrepublik Deutschland im gleichen Jahr bezog man das Würzmittel aus dem Stammhaus in Straßburg. Nicht zuletzt wegen der langen Zollaufenthalte sah sich die Firma veranlasst auch im Saarland die Produktion aufzunehmen. Ein Jahr später erfolgte die Übersiedlung nach Rohrbach, um in nunmehr größeren, gemieten Räumlichkeiten mit der Herstellung des Würzmittels im Saarland selbst zu beginnen. Zunächst mietete das Unternehmen Räume im Hause Redel in Rohrbach in der Industriestraße. Sie produzierte das aus Branntweinessig, Bienenhonig, Heil- und Würzkräutern hergestellte Würzmittel. Von Jahr zu Jahr steigerte sich der Umsatz. Bald wurde die erste Produktionsstätte in Rohrbach zu klein. Ein Neubau wurde notwendig.
1968 wurde Im Rohrbacher Industriegelände West an der Oberen Kaiserstraße dann eine 40 m lange und 20 m breite Halle errichtet, die Büros und Sozialräume beinhaltete.

1968 Richtfest am Neubau an der Oberen Kaiserstraße

1968 Richtfest am Neubau

Der Firmenneubau kurz vor der Einweihung

Im Januar 1969 wurde das Gebäude eingeweiht

Tag der Einweihung im Januar 1969. Die Herren aus Wirtschaft und Politik vor den großen 15 000 Liter Tanks, in denen die Zutaten für das Würzmittel 3-4 Tage gelagert wurden.

Betriebsleiter Gerad Schönfelder im Gespräch
Im Januar 1969 wurde die Produktion in der neuen Produktionsstätte aufgenommen. In drei großen Behältern mit 15 000 Litern Inhalt wurden die Zutaten für das Würzmittel gemischt. Nach einer Lagerzeit von drei bis vier Tagen konnte das Würzmittel mit einer vollautomatischen Anlage in Flaschen abgefüllt, verschlossen, etekettiert und verpackt werden. Stündlich konnten 1500 Liter Würzmittel abgefüllt werden. Die Tagesproduktion belief sich am Anfang auf 12 000 Flaschen. Mit eigenen Fahrzeugen wurden die Flaschen zu Großhändlern im Saarland und in die Pfalz gebracht.

Die abgefüllten Flaschen auf dem Laufband

Die abgefüllten Flaschen wurden verpackt und zum Transport vorbereitet

Im Großhandel gab es sogar 10 Liter Kanister Melfor Traditionell

Die Rückseite der Melfor Traditionell Flasche
Die Melfor Produktion wurde unter der Leitung von Annette Fritz, der Tochter von Erich Urban, kontinuierlich erhöht.Im Jahr 2006 übernahm Marianne Fritz die Geschäftsführung. Sie legte wie ihre Vorgänger größten Wert darauf, dass das Originalrezept unverändert blieb. Konservierungsstoffe oder Gluten waren darin nicht enthalten, der Gehalt an biologisch gewonnener Essigsäure lag bei dezenten 3,8 %. Das Aroma pendelte zwischen säuerlich und süß. Auch wenn Melfor kein richtiger Essig war sondern eine Würzmischung, so hatten die Saarländer doch traditonell Melfor vor Augen, wenn von „de Essisch“ die Rede ist. Das Naturprodukt wurde nach einer geheimen, wohl gehüteten Rezeptur aus Essig, Kräutern und Honig hergestellt.
Im Melfor Sortiment standen neben dem Königsprodukt (in den Varianten „Melfor Traditionell“ und „Melfor Traditionell hell“, noch eine mediterrane Melfor-Würze („Melfor italienische Küche“ mit Balsamico di Modena), Salatsaucen („Classico“ , „Vinaigrette“, „Saarland“), Meersalz (Fleur del Sel „Le saunier de Carmague“) und Senf („Amora“).

Totalausverkauf des beliebten Produktes aus Rohrbach


Die Saarländer werden ihren geliebten „Essisch“ Melfor „Traditionell“ schmerzlich vermissen.

Ebenfalls aus dem Hause Melfor, der bekannte Amora Senf
Wiederum endet eine Rohrbacher Firmen – Erfolgsgeschichte, wie andere vorher schon, Firma Ernst Heckel, Firma Theodor Jansen, Ketten Michely und Paul’s Eier Nudeln.
Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung der Saarbrücker Zeitung, den Rohrbacher Heimatfreunden, Stephan Schweitzer, Karl Gebhardt und Doris Abel.

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