Die Geschichte der Eisenbahn in Rohrbach

Seit nunmehr 129 Jahren hat Rohrbach einen eigenen Bahnanschluss und Bahnhof. Es war Samstag, der 07. September 1895, als morgens um 5.20 Uhr die neue Bahnstrecke über die neuverlegte Trasse von Niederwürzbach an Hassel und Rohrbach vorbei nach St. Ingbert dem Verkehr übergeben wurde

Von einer besonderen Feier wurde damals abgesehen schrieb der St. Ingberter Anzeiger. Die sogenannte Umgehungsstrecke war eröffnet. Umgehungstrecke nannte man sie deshalb, weil die Eisenbahnstrecke zunächst direkt von St. Ingbert nach Würzbach verlief. Rohrbach war ursprünglich nicht berührt.

Die bereits 1866/67 fertiggestellte Bahnlinie Schwarzenacker – St. Ingbert verlief ursprünglich durch einen 507 Meter langen Tunnel, den Rothenkopftunnel, nach St. Ingbert. Jetzt nach Inbetriebnahme der Umgehungsstrecke wurde der Tunnel, nach 26-jährigem Bestehen nicht mehr benötigt.

Die politische Gemeinde Rohrbachs versprach sich durch die neue Bahnlinie ein Nutzen für die Zukunft. Und sie sollten Recht behalten. In einer Gemeinderatssitzung vom 31. Mai 1893 beschloss der Gemeinderat unter Vorsitz von Bürgermeister Urban Jacob der Bahngesellschaft Grund und Boden unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Arbeiter beim Bau der Unterführung am Rohrbacher Bahnhof

Beiderseits der Bahn entstand rasch ein industrielles Zentrum. 1898 die Katharinahütte, die „Kathrin“, die später von der Firma Heckel übernommen wurde, 1899 die Dampfkesselfabrik Poensgen & Pfahler, ab 1930 die Firma Keuth & Zenner, die spätere Firma Jansen, und ab 1933 die Firma Oberhauser. Bis über das Ende des Zweiten Weltkrieges hinaus blieb an der Bahn der industrielle Schwerpunkt Rohrbachs.

Der Rohrbacher Bahnhof im Jahre 1904

Zur Entwicklung Rohrbachs hat auch maßgeblich die von Kirkel herkommende, sogenannte strategische Bahn beigetragen.„Strategisch“ deshalb, weil durch eine Indiskretion die militärische Zielsetzung der Bahnlinie bekannt wurde. In den amtlichen Unterlagen wurde sie stets „Linie Münster am Stein – Scheidt“ genannt. Sie wurde am 01. Mai 1904 in Betrieb genommen. So war Rohrbach endgültig zu einem Verkehrsknotenpunkt geworden.

Es handelte sich hier nicht um ein neues Teilstück einer schon bestehenden Ost – Westverbindung, sondern um eine komplett neue Linie.

Sie sollte von Bad Münster am Stein, wohin schon die Rheinstrecke weitergebaut war, durch das Glantal nach Homburg, Kirkel, Rohrbach und weiter nach Scheidt, Saarbrücken führen. Von hier gab es bereits eine Verbindung nach Metz.

Um 1900 der Geistkircherhof. Ganz rechts ist die alte Kapelle zu sehen, die wegen der neuen Bahntrasse weichen musste

Bei der Planung der Streckenführung im Bereich Rohrbach stellte sich jedoch ein Hindernis in den Weg. Mitten in der vorgesehenen Trasse stand eine kleine Kapelle, die Geistkircher Kapelle, die Vorgängerkapelle der heutigen. Sie gehörte Peter Wirtz, dem damaligen Besitzer des Geistkircherhofes. Er hatte den Hof 1866 für 18 700 Gulden ersteigert. 1895-96 erbaute er die „winzig kleine Kapelle mit nur zwei Fenstern“auf seinem angrenzenden Hofgelände.

Peter Wirtz der Besitzer des Geistkircherhofes

Peter Wirtz hatte wohl Angst, dass die Bahnlinie sein Hofgelände durchschneiden würde. Trotz eines Zwangsenteignungsverfahrens im Jahr 1894 erbaute er 1895 die Kapelle ausgerechnet da, wo die drohende Bahnlinie vorbeifahren sollte. Doch alles half nichts. Am 02. Januar 1901 musste sein Sohn Andreas Wirtz, der nach dem Tod seines Vaters das Anwesen erhalten hatte, die Kapelle, die Wiese, auf der sie stand, sowie weitere Grundstücke zum Bau der neuen Bahnstrecke verkaufen. Er erhielt von der Bahngesellschaft 2500 Mark. Noch im gleichen Jahr baute Andreas Wirtz die heutige Geistkircher Kapelle mit 6 Fenstern. Im Jahr 1949 ging sie in das Eigentum der Pfarrgemeinde St. Johannes in Rohrbach über.

1901 wurde die Geistkircher Kapelle an Ihrem heutigen Standort wiederaufgebaut

Um 1935 Blick auf den Rohrbacher Bahnhof (in der Bildmitte)

Ende des zweiten Weltkrieges im März 1945 wurde der Rohrbacher Bahnhof und das Bahngelände von den alliierten Kampfbombern durch Bomben und Granateinschlägen schwer beschädigt. Das Personal musste lange Zeit in behelfsmäßigen Räumen untergebracht werden. Erst 1949 gab es durch den Bau einer Baracke einen Warteraum und eine Bahnhofsgaststätte.

Der Rohrbacher Bahnhof in den Anfang 50er Jahren. Rechts neben dem Bahnhof die Baracke, in der die Bahnhofsgaststätte untergebracht war. Die Wirtin war Maria Bettinger („Bettingersch Marie“)

1953 Die Buben des Geburtsjahrganges 1939 mit ihrem Klassenlehrer Nicolaus vor dem Rohrbacher Bahnhof bereit zur Schulabschlussfahrt in den Schwarzwald und an den Bodensee

Der Rohrbacher Bahnbeamte Johann Schneider

Links und oben rechts in der Collage das Haus der Familie Keiper („Keipersch Haus“) im Pfeifferwald an der Abzweigung der Bahnstrecke nach Hassel-Zweibrücken und Kirkel-Homburg. Darunter die Bahnstrecke Richtung Homburg mit der Homburger Brücke im Hintergrund.

1936 Die Bahnstrecke von St. Ingbert kommend in der Au. Rechts ist noch der Zaun vom Haus Bergsträßer zu sehen, wo sich ein Bahnübergang mit Schranken befand.

1936 Das Stellwerk in den Königswiesen

Im Jahr 1958 wurde der Bahnhof umgebaut und erhielt dieses Aussehen

Am 08. März 1960 durchfuhr zum ersten Mal ein mit Elektrizität bewegter Zug den Rohrbacher Bahnhof, nachdem die Strecke Saarbrücken-Homburg auf den neuesten Stand der Eisenbahntechnik gebracht worden war.

1964 wurde die neue Bahnhofsgaststätte eingeweiht.

Der Rohrbacher Bahnhof in den 70er Jahren. Rechts unten der Güterbahnhof auf der anderen Seite des Bahnhofs

1995 Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Eisenbahn in Rohrbach trafen sich ehemalige Bedienstete des Rohrbacher Bahnhofs

Schnelle Züge brausen am Rohrbacher Bahnhof vorbei

Die Deutsche Bahn ließ mit den Jahren den Rohrbacher Bahnhof immer mehr verkommen, sodass der Rohrbacher Ortsrat den Antrag stellte, den Bahnhof abzureißen. Er bot ein trostloses Bild.

Der schändliche Zustand des Rohrbacher Bahnhofs war jetzt in aller Munde. Im November 2017 berichtete sogar der Aktuelle Bericht des Saarländischen Rundfunks darüber. Auf dem Foto von links: Ortsvorsteher Roland Weber, Heimathistoriker Friedrich Müller, Karl Abel. der stellvertretende Ortsvorsteher Jörg Schuh und der SR Reporter Herbert Mangold.

Blick auf die Ruine des Bahnhofs

Blick durch die Ruine des Bahnhofs auf das Heckel Hochhaus, das ebenso schon bessere Zeiten erlebt hat

Im Februar 2018 begann der teilweise Abriss des Rohrbacher Bahnhofs. Lediglich das frühere Gasthaus ist noch verblieben. Es wird wegen dem Zugang zu den Bahnsteigen noch benötigt. Die Deutsche Bahn will im Jahr 2026 den Zugang zu den Bahngleisen mit der Personenunterführung zur Kahlenbergstraße neu bauen.

Dieser Zugang zu den Bahngleisen soll 2026 neu gestaltet werden

Blick von den Bahnsteigen auf den Bahnhof und was davon noch übrig geblieben ist

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung der Rohrbacher Heimatfreunde, Karl Gebhardt, Doris Abel, Christine Lambert und Claus-Dieter Hardeck. Details wurden dem Buch „Die Eisenbahn in Rohrbach-ein Ergebnis militärischer Strategie ?“ des Rohrbacher Heimathistorikers Friedrich Müller entnommen.

5 Antworten zu „Die Geschichte der Eisenbahn in Rohrbach“

  1. Avatar von Wolfgang Stark
    Wolfgang Stark

    Der Rohrbacher Bahnhof war in den siebziger Jahren ein von mir oft frequentierter Ort. Morgens und abends auf dem Weg zu meiner Lehrfirma und mehrere Jahre auf der Fahrt nach Saarbrücken zu verschiedenen Schulen. Schade dass es ihn nicht mehr gibt.
    Wieder ein toller Artikel von Karl.

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  2. Avatar von Hans Peter Schubert
    Hans Peter Schubert

    Hallo Karl, Hallo Doris, das war alles neu für mich, obwohl ich doch in Rohrbach die ersten zwanzig Jahre meines Lebens verbrachte. Nun erfahre ich mit großer Überraschung, dass es den
    Bahnhof nicht mehr gibt??? Höchst informativ und voller Neuheiten für mich. Danke und liebe Grüße Hans Peter

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  3. Lieber Karl, wie immer ist auch dieser Bericht sehr informativ. Vielen Dank für diesen Rückblick zur Entstehung des Rohrbacher Bahnhofs.

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  4. Avatar von Peter Unbehend
    Peter Unbehend

    Lieber Karl,

    Vielen lieben Dank für Deinen Artikel über den Rohrbacher Bahnhof, der wieder einmal sehr gelungen und ansprechend ist.
    Mit dem Rohrbacher Bahnhof verbinden sich bei mir eine Menge Jugenderinnerungen.
    Der Bahnhof war Ausgangspunkt für viele schöne Erlebnisse. Z.B. für eine Klassenfahrt als Volksschüler in einem Sonderzug nach Bingen mit einer Schifffahrt auf dem Rhein.
    Ab 1964 fester Bestandteil meines Schulwegs ins Gymnasium nach St.Ingbert. Die nur kurze Zugfahrt ( 1 Station ) nach St. Ingbert bot Raum und Zeit genug noch schnell Hausaufgaben nachzuholen, meist ein Abschreiben von den Fleißigeren, auch für Streiche. Einmal haben wir eine Stinkbombe geworfen und entkamen dem wütenden Schaffner gerade noch beim Aussteigen in St. Ingbert.
    Von einem Gymnasiasten wurde damals erwartet, dass er ordentlich gekleidet zum Unterricht kam. Meine Mutter legte darauf auch besonderen Wert. Zusammen gings mit dem Zug von Rohrbach aus nach Saarbrücken zur Einkleidung. Highlight war zum Abschluss der Besuch des PKs (Passagekaufhaus). Dort wurden Windbeutel gekauft. Es waren tatsächlich die besten, die es im Saarland gab.
    Als die Mädels interessant wurden gings mit der Bahn in die Pfalz.
    1969 startete ich mit Gottfried Güngerich von Rohrbach nach Ludwigshafen, von dort aus weiter mit einem Bus nach Langeoog zu einer Jugendfreizeit.
    1970 wechselte ich auf das Homburger Gymnasium und lernte im Zug – diesmals gings in die andere Richtung – meine in Limbach zusteigende Frau Dorothea kennen.
    Nächstes Jahr feiern wir Goldene Hochzeit.
    Der Rohrbacher Bahnhof ist nun endgültig abgerissen, Limbach nur noch eine Ruine. So ändern sich die Zeiten. Die schönen Erinnerungen jedoch bleiben.

    Es grüßt Dich sehr herzlich

    Peter

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  5. Avatar von Wolfgang Wirtz-Nentwig
    Wolfgang Wirtz-Nentwig

    Lieber Karl und liebe Mitstreiter+innen,

    das ist einmal mehr ein sehr interessanter Beitrag – erst recht für alle, die wie ich jahrelang fast täglich den Rohrbacher Bahnhof genutzt haben und viele schulische und private Erinnerungen damit verbinden. Die historischen Bilder aus der Frühzeit fand ich besonders interessant, weil ich sie noch nie gesehen hatte.
    Und ansonsten bleibt nur der traurige Eindruck: Erst wurde der Bahnhof im Krieg zerstört, später hat die Bahn das selbst erledigt. Es tut weh, wenn man sieht, wie die öffentliche Infrastruktur und insbesondere die Bahnanlagen über viele Jahre verlottert sind, weil Milliarden in völlig überteuerten Prestigeprojekten versenkt wurden. Manche Fotos aus Rohrbach und vielen anderen Standorten sehen aus wie Szenenbilder aus einem Endzeit-Film. Mit dem Geld, das man bei Stuttgart 21 seit Jahren verschwendet, hätte man hunderte kleine Bahnhöfe retten können.

    Umso mehr vielen Dank für Eure dokumentarische Leistung – und LG aus dem fernen Saarbrücken :)!

    Wolfgang Wirtz-Nentwig

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