Wo heute das Bürgerhaus Rohrbach steht, existierte bis Mitte der 50-er Jahre ein schmaler Durchgang, der die Jugendheimstraße mit der Kaiserstraße verband.
Dieses sogenannte Rosa-Gässje verlief zwischen den Häusern von “Huppe Kätt” und “Elektrisch Peter”, beide bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut. Der unbefestigte Weg führte je nach Witterung und Jahreszeit zu nassen Füßen und “Batsch” an den Schuhen, wurde von Huppe-Hedwig’s Hund lautstark bewacht und hielt
doch die Bewohner des “Puhls” und der angrenzenden Straßen nicht davon ab, den Weg ins Dorf abzukürzen. Ebenso war das Rosa-Pädsche für viele Schulkinder fester Bestandteil ihres täglichen Wegs zur Pestalozzi- und Denkmalschule. Mit dem Bau des Wilhelma-Kinos, das 1958 öffnete, wurde der Durchgang verschlossen.

Peter Erbelding (Elektrisch Peter) mit Familie. Hier beim Tannenbaumverkauf

Hedwig Deckarm (Huppe Hedwig) mit ihrem Schäferhund und rechts ihr Elternhaus an der Kaiserstraße

Blick ins Rosagässje. Links vor dem Trog ist eine Abflussrinne zu sehen, die durch die Mitte des
Pfades in die die damalige Gartenstraße (heute Jugendheimstraße) führte.

Um 1956 Blick vom Hochrech auf das ehemalige Rosagässje. Vorne links steht noch das Haus von Peter Erbelding (Elektrisch Peter). Im Hintergrund sind Häuser von der heutigen Jugendheimstraße (Puhl) zu erkennen.
Im Jahre 1957 entschieden sich die Gebrüder Schmelzer („Kino Schmelzer“) aus St. Ingbert, in Rohrbach ein neues, größeres Lichtspieltheater zu bauen. Seit 1934 bestand in der Oberen Kaiserstraße in der Nähe der Johanneskirche das Union Theater.

Ein Foto aus dem Jahr 1955. Neben dem bekannten Gasthaus Zur Glocke ist rechts der Eingang zum UT-Filmtheater zu erkennen
Für heutige Zeiten unvorstellbar wurde das neue Wilhelma Filmtheater in Rekordzeit gebaut. Ende März 1958 wurde mit den Erdarbeiten begonnen, Mitte September stand der Rohbau und in nur zweieinhalb Monaten wurde der Innenausbau getätigt. Bis zur letzten Sekunde wurde fieberhaft gearbeitet, um am Samstag, dem 29. November 1958 die Eröffnung durchzuführen. Das neue Filmtheater in der Ortsmitte Rohrbachs war mit allen Errungenschaften neuzeitlicher Technik das modernste Kino des Saarlandes.


Der Vorsitzende der saarländischen Kinobetreiber Gill bei seiner Eröffnungsrede. Rechts im Bild Manfred Schmelzer, ein Mitglied aus der „Kino Schmelzer Familie“, der im letzten Jahr verstarb.

Die Westpfälzische Rundschau vom 29. November 1958 berichtet

Der erste Film, der im neuen Filmtheater lief, hieß „Der veruntreute Himmel“
Das Wilhelma Filmtheater musste 1973 wegen Unrentabilität geschlossen werden.

1975 Der neue IX-Markt wenige Wochen vor der Neueröffnung
Rentabler war dagegen die Umgestaltung des Filmtheaters von der Distributa GmbH aus Saarlouis zu einem modernen Supermarkt im Jahr 1975. Der neue Rohrbacher IX-Markt wies eine Verkaufsfläche von rund 500 m2 auf. Insgesamt umfasste das Angebot 3000 Artikel. Neben einer eigenen Fleisch- und Wurstabteilung befanden sich in dem neuen Supermarkt Back- und Schreibwaren und Kosmetikartikel.

Das Warensortiment wird für die Eröffnung vorbereitet

Volkstümliche Preise zur Eröffnung. Im Foto oben rechts ist der heutige Rohrbacher Ortsvorsteher Roland Weber zu sehen.

Viel Betrieb zur Eröffnung

Tolle Angebote
Im Jahr 2000 erwarb die Stadt St. Ingbert das Gebäude mit dem Vorsatz, dieses Haus in ein Bürgerhaus in der Dorfmitte umzubauen. Der Beschluss erging 2000, bis 2010 dauerte der erste Bauabschnitt und erst 2016 war der zweite Bauabschnitt abgeschlossen.

2008 Ein paar interessierte Rohrbacher Bürger des „Treffpunkt Drehscheibe“ besichtigen mit dem Rohrbacher Ortsvorsteher Hans Wagner den ehemaligen IX-Markt und das ehemalige Kinogebäude

2011 machte der Ortsrat Rohrbach einen Aufruf an die Bevölkerung zur Namensgebung für das ehemalige Filmtheater und den ehemaligen IX-Markt. Doris Abel machte als Einzige den Vorschlag das Gebäude in BüRo (Bürgerhaus Rohrbach) zu benennen. Leider wurde Frau Abel in dem Zeitungsartikel nicht als Siegerin erwähnt.

Am 17. Januar 2017 wurde der zweite Bauabschnitt, der hauptsächlich den Ausbau des 2. Obergeschosses beinhaltete, von Oberbürgermeister Hans Wagner und Ortsvorsteher Roland Weber eingeweiht. In diesem Stockwerk haben die Rohrbacher Heimatfreunde mit ihrem Heimatarchiv, sowie einem Versammlungsraum ein neues Zuhause gefunden.

2020 erhielt das Bürgerhaus ein neues Dach (Gebäude unter dem Kran)
Nachdem die Sporthalle der Johannesschule durch deren Abriss nicht mehr zur Verfügung steht und die Rohrbachhalle durch Belegung von Vereinen aus anderen Stadtteilen an ihre Belastungsgrenze gerät, wäre es wichtig, wenn die Stadt St. Ingbert nach über 23-jähriger Planungszeit endlich mal den Endausbau des ehemaligen Kinosaals im Bürgerhaus vorantreiben würde. Dieser Raum könnte für viele kulturtreibende Vereine ein Ausweichplatz für Veranstaltungen sein. Wie sagte doch der Rohrbacher Ortsvosteher Roland Weber „Nach über 23-Jähriger Planungs-und Bauzeit steht der Dritte Bauabschnitt des Bürgerhauses dem Berliner Haupstadtflughafen BER in keinster Weise nach“.

So sieht es im ehemaligen Kinosaal des Rohrbacher Bürgerhauses seit Jahren aus. Angeblich wären die Ausbaupläne seit mehr als 20 Jahren fertig. Die Rohrbacher Bürger warten immer noch auf grünes Licht der Stadtverwaltung St. Ingbert.
In einer Krisensitzung am 06. November 2023 im Bürgerhaus Rohrbach mit Rohrbacher Vereinen offerierte Ortsvorsteher Roland Weber mit dem Stichwort „weiterer Ausbau des Kinosaales“ aber auch eine Lösung, die aus seiner Sicht die aktuelle Notlage für die Belegung der Rohrbachhalle lindern könnte.
„Viele Kulturveranstaltungen könnten im ehemaligen Kinosaal des Bürgerhauses stattfinden und damit die Rohrbachhalle entlasten“ Er erinnerte an die lange Historie solcher Pläne. Der Ortsrat Rohrbach habe sich seit 2000 für den Ausbau des Saales eingesetzt, „jedoch ohne Erfolg“. Die Vereine fordern in einem Brandbrief, der von Roland Weber vorgelegt wurde, „den Endausbau endlich in Angriff zu nehmen“. Jedoch fügte er hinzu, dass für den dritten Bauabschnitt lediglich 200 000 Euro und damit nur ein geringer Teil der tatsächlichen Kosten im aktuellen Haushalt zur Verfügung stehen. Zudem seien keine Fördermittel, die für den Ausbau unabdinglich wären, von der Stadtverwaltung beantragt, obwohl Pläne incl. Kalkulation vorlägen.
Bereits 2011 waren die Pläne als Vorentwurf für den Kinosaal und dessen Kellergeschoss im Bürgerhaus fertig. Das Rohrbacher Architekturbüro Michaeli legte 2016 für den Ausbau eine Kalkulation von damals 900 000 Euro vor. Mittlerweile würden sich die Fertigstellungskosten auf ca. 1,15 Mill. Euro erhöhen. Der damalige saarländische Umwelt- und jetzige Innenminister Reinhold Jost versprach 2019 bei einem Ortstermin dem Rohrbacher Ortsvorsteher Fördergelder in Höhe bis zu 450 000 Euro, vorausgesetzt, die gleiche Summe stellt der Haushalt der Stadt zur Verfügung. Diesem Wunsch des Ortsrates kam die Stadt mit Ihren Vertretern nicht entgegen.
Fazit: Der am 1. Januar 1974 von der Stadt St. Ingbert zwangseingemeindete Stadtteil Rohrbach fristet nach 50 Jahren Zugehörigkeit immer noch ein stiefmütterliches Dasein. Ein Kinosaal, der für das Rohrbacher Kulturleben lebensnotwendig wäre, scheitert an 1 Million Euro, wobei die Stadt St. Ingbert nur die Hälfte davon beisteuern müsste. Aber anscheinend sind St. Ingberter Leuchtturmprojekte wichtiger, wobei schon viele Steuergelder, auch von Rohrbacher Bürgern, sinnlos verplempert wurden.
Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung der Rohrbacher Heimatfreunde, Roland Weber, Martin Bettinger, Martin Staut und Doris Abel. Details zu diesem Artikel wurden der Saarbrücker Zeitung vom 10. November 2023 entnommen.

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