Alpine Gefühle in Rohrbach – der Sessellift am Kahlenberg

27. Juli 1973 - Landrat Albert Schwarz und Bürgermeister Walter Bettinger bei der Jungfernfahrt des neuen Sessellifts am Kahlenberg (Foto: Seppl Allgayer)

27. Juli 1973 – Landrat Albert Schwarz und Bürgermeister Walter Bettinger bei der Jungfernfahrt des neuen Sessellifts am Kahlenberg (Foto: Seppl Allgayer)

Eine Attraktion war für viele Rohrbacher das alljährliche Kahlenbergfest. Vor allem die jüngeren Festbesucher freuten sich auf etwas ganz Besonderes: die Fahrt mit dem Sessellift vom Fuße des Kahlenbergs hoch zur Kahlenberghütte. Was man sonst eher von den alpinen Sommer- und Winterurlauben kennt, bot Rohrbach den Besuchern des Kahlenbergs über lange Jahre vor Ort. Die Fahrt mit dem Sessellift auf den 372 m hohen Hausberg der Rohrbacher war  weit und breit ein einmaliges Erlebnis.

Dabei war der Gemeinde Rohrbach die Entscheidung zum Bau des Sessellifts nicht leicht gefallen. Erst nachdem der Kaufmännische Direktor der Firma Pohlig-Heckel-Bleichert Otto Bartholomä einen akzeptablen Preis genannt hatte, begann man mit der Planung der Liftanlage.

Viele fleißige Helfer beim Aufräumen der Trasse

Viele fleißige Helfer beim Aufräumen der Trasse

Soldaten der Patenkompanie Zweibrücken beim Ausheben der Fundamente für die Tragstützen

Soldaten der Patenkompanie Zweibrücken beim Ausheben der Fundamente für die Tragstützen

Auch die Rentner Andreas Gehring, Guido Wagner und Paul Dohr helfen fleißig mit

Auch die Rentner Andreas Gehring, Guido Wagner und Paul Dohr helfen fleißig mit

Gustav Hussong, Theo Scholl und Helmut Brass beim Zusammenbauen der Tragstützen

Gustav Hussong, Theo Scholl und Helmut Brass beim Zusammenbauen der Tragstützen

Die Sessel werden getestet. Auf der Leiter Eduard Schiel. Unten von links: Karl Michaeli, Gemeindearbeiter Bodo Gerle und August Herber

Die Sessel werden getestet. Auf der Leiter Eduard Schiel. Unten von links: Karl Michaeli, Gemeindearbeiter Bodo Gerle und August Herber

Am Freitag, den 27. Juli 1973 war es soweit. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste  wurde die damals im Saarland einzigartige Attraktion ihrer Bestimmung übergeben. Die 500 m lange Sesselbahn hatte 16 Doppelsessel und eine Fahrgeschwindigkeit von 1,3 m pro Sekunde. In sieben Minuten hatte man die 100 m Höhendifferenz von der Tal- zur Bergstation über fünf Stützen geschafft. Der Sesselabstand betrug 62,5 m. In einer Stunde konnten somit 150 Personen auf den Kahlenberg transportiert werden. Die Preise betrugen für die einfache Fahrt 1 DM und für die Auf- und Abfahrt 1,50 DM.

Der Rohrbacher Bürgermeister Walter Bettinger begrüßt die zahlreichen Gäste

Der Rohrbacher Bürgermeister Walter Bettinger begrüßt die zahlreichen Gäste

Bürgermeister Bettinger dankte bei der feierlichen Eröffnung vor allem den Arbeitern der Gemeinde, den Soldaten der Patenkompanie Zweibrücken, die beim Bau der Sesselbahn tatkräftig im Einsatz waren, den Pfadfindern und sonstigen Jugendgruppen, der Forstverwaltung, dem Naturschutzbund, dem Regierungsvertreter und dem Gemeinderat, der die finanziellen Mittel bewilligt hatte, was nicht leichtgefallen war.

Das größte Lob gab es jedoch für Montageinspektor Karl Michaeli, Oberrichtmeister August Herber und Schlossermeister Gustav Hussong für ihre monatelange unentgeltliche und selbstlose Arbeit an der Baustelle. Der Rohrbacher Bürgermeister Walter Bettinger und der Landrat Albert Schwarz waren die ersten, die mit dem Sessel auf die Höhen des Rohrbacher Hausberges gebracht wurden. In der Talstation warteten währenddessen bereits Hunderte Männer, Frauen und Kinder ungeduldig darauf, ihre persönliche Jungfernfahrt in luftigen Rohrbacher Höhen genießen zu können. Für alle Besucher war an diesem Tag im Übrigen die Benutzung des Sessellifts kostenlos.

Starker Andrang an der Talstation

Starker Andrang an der Talstation

Günter Gleisberg von der Gemeinde Rohrbach war den Gästen behilflich beim Einsteigen

Günter Gleisberg von der Gemeinde Rohrbach ist den Gästen behilflich beim Einsteigen

Fröhliche Gesichter

Fröhliche Gesichter

Blick talwärts

Blick talwärts

Blick von der Bergstation auf die Trasse

Blick von der Bergstation auf die Trasse

In den folgenden beiden Jahrzehnten hat sich sicherlich fast jeder Rohrbacher mindestens eine jährliche Fahrt auf dem Sessellift nicht nehmen lassen.

Die Bergstation

Die Bergstation

Gleichzeitig mit der Eröffnung des Sessellifts auf dem Kahlenberg wurde eine weitere Attraktion für Kinder eingeweiht, nämlich der Abenteuerspielplatz “Fort Larremie”- ein Fort, wie man es bis dahin eigentlich nur aus Wildwest-Filmen kannte.

Hinter dem Wehrgang des Forts gab es eine Traberhütte, einen Indianerwigwam, einen Saloon und einen 12,50 Meter hohen Turm, zu dem 45 Stufen hinaufführten

Der 12,50 m hohe Turm vom "Fort Larremie"

Der 12,50 m hohe Turm vom „Fort Larremie“

Leider nagte an der Anlage bald der Zahn der Zeit. Die turnusmäßigen Instandhaltungsarbeiten reichten Anfang der 90er-Jahre nicht mehr aus: während nach einem mehr als einjährigen “Dornröschenschlaf” der Sessellift am 10. Juli 1992 zunächst nach einer Generalüberholung noch einmal wiedereröffnet worden war, musste der Sessellift am Kahlenberg im Jahr 1995 endgültig stillgelegt werden. Es war niemand mehr bereit, die immensen, jährlichen Unterhaltskosten zu tragen.

Wiedereröffnung durch den Rohrbacher Ortsvorsteher Bodo Schiehl und den St. Ingberter Oberbürgermeister Dr. Winfried Brandenburg

Wiedereröffnung durch den Rohrbacher Ortsvorsteher Bodo Schiehl und den St. Ingberter Oberbürgermeister Dr. Winfried Brandenburg

1996 gab es allerdings nochmals die Hoffnung auf eine Wiedergeburt der Kahlenberg-Attraktion: Ein Investor plante, eine Sommerrodelbahn von 600 m Länge am Kahlenberg zu errichten. Leider scheiterte das Projekt an der fehlenden Genehmigung der Untere Naturschutzbehörde, des Forsts und des Umweltministeriums.

1996 - Das Projekt Sommerrodelbahn wird vorgestellt

1996 – Das Projekt Sommerrodelbahn wird vorgestellt

Mittlerweile ist von der Anlage Sessellift am Kahlenberg nichts mehr zu sehen. Alles wurde abgerissen.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Albert Senzig, Seppl Allgayer und Herbert Schwarz

5 Gedanken zu “Alpine Gefühle in Rohrbach – der Sessellift am Kahlenberg

  1. Da bekommt man gerade Heimweh und möchte Rohrbach & Hassel schnell wieder besuchen. Vielen Dank für diesen Artikel – obwohl ich seit 1965 in den USA wohne, erinnere mich jedoch noch gut als ich 1978 auf Besuch kam, das Allererste war eine Fahrt mit dem Lift auf den Kalenberg; es war ein einmaliges „Ereignis“.
    Wir sind als Kinder so oft auf diesen Berg gelaufen, haben Heidelbeeren auf der Hasseler Seite des Berges gepflückt und mit meinem Vater, Pilze gesucht. Solche Sachen tut man natürlich schon Jahrzehnte lang nicht mehr, aber es waren schöne, naturverbundene Zeiten in meiner alten Heimat; schöne Erinnerungen.
    Vielen Dank Karl, für Alles, das Du für uns Heimatliebende tust.
    Herzliche Grüße, Renate Panfil (Huss)

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  2. Hallo Karl!
    Habe mir deinen Beitrag mit diversen Fotos zur Sesselbahn vom Kahlenberg angesehen.
    Schön, das ganze Geschehen nochmal Revue passieren zu lassen.
    Leider ist das Kapitel Sesselbahn Geschichte.
    Trotzdem, vielen Dank für Dein Bemühen, mach weiter so!
    Günter Jung

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  3. Hallo Karl
    danke, wie immer ein gelungener Artikel. Ich als „Zugereister“ (bisher ohne Laabrecht) aus Sengscheid und verheiratet mit einem „Rohrbacher Mädel“ war immer mal wieder gern mit der Bahn auf den Kahlenberg gefahren, um dort oben das Kahlenbergfest mit meinen Lieben zu feiern. Wenn ich heute dort vorbei wandere wird mir immer traurig ums Herz, was aus der Bahn geworden ist.

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  4. Hallo Karl,
    leider verpasste ich die Einweihung der Sesselbahn am Kahlenberg in Rohrbach, da ich mit meiner Familie schon einige Jahre in Kanada lebte. Es wäre so schön gewesen, mein Heimatdorf von einer Sesselbahn aus zu sehen. Schade, daß die Kahlenbergbahn wieder abgebaut wurde. Karl, hast mal wieder einen einzigartigen Meilenstein gefunden. Recht vielen Dank für die Zusammenstellung auf Deiner Website.
    Gruß
    Else Bens
    Ottawa, Canada

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  5. Ich finde es ein Jammer dass diese tolle Anlage weg musste, für alles Mögliche wird Geld in den Ofen geschmissen aber aus dem Lift hätte man wirklich was machen können (Schlittenbahn im Winter, Rodelbahn im Sommer, Integration als Mountainbikeaufstiegshilfe), aber nein, unsere Grünen müssen ja wieder mal quer schießen, ich könnte schreien…
    Auf jeden Fall ein riesengroßes Lob an die Macher dieser Seite, supertoll gemacht!

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