Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Rohrbachs Geschichte bis zum 19. Jahrhundert

Ein Gemälde des rohrbacher künstlers Peter Schmieden

Ein Gemälde des rohrbacher künstlers Peter Schmieden

Aufgrund der Lage Rohrbachs an den beiden bedeutendsten Heeres- und Durchgangsstraßen der Vergangenheit war das Schicksal unseres Heimatortes immer eng verknüpft mit dem allgemeinen Weltgeschehen. Fast kein Krieg, fast kein größeres Ereignis ging vorüber, ohne auch in unserem Orte seine Spuren zu hinterlassen. Aus der wechselvollen Geschichte unserer Heimat sollen hier nur einige Einzelheiten wiedergegeben werden:

Im dritten Jahrhundert bauten die eingedrungenen Römer eine Heeresstraße, die bekannte Römerstraße. Diese führte am Fuße des Kahlenberges vorbei, durch den Pfeiferwald über Schmittsbrunnen nach dem Eschweilerhof. Vermutlich befand sich am Kahlenberg ein römischer Wachtturm, in dessen Schutz sich die ersten Ansiedler ihre bescheidenen  Hütten errichteten. Aber schon im fünften Jahrhundert wurde diese erste Ansiedlung wieder restlos zerstört.

Zum ersten Male wird der Name unseres Heimatortes wieder nach dem zehnten Jahrhundert in der Chronik genannt. Die damaligen Ansiedler hatten sich wahrscheinlich „Im Eck“ niedergelassen. Sie waren Sandbauern und rangen dem mageren Boden in mühevoller Arbeit und mit einträchtiger gegenseitiger Hilfe das tägliche Brot ab. So hatten sie sich auch eine gemeinsame Mühle gebaut. Nur langsam wuchs die Einwohnerzahl dieser Siedlung unter den kärglichen Verhältnissen an.

Im sechzehnten Jahrhundert zählte die kleine Gemeinde 51 Seelen. Dies war zu einer Zeit, als die Franzosen in unserer Gegend noch schrecklich wüteten.

Im Jahre 1526 trat Rohrbach zur neuen Lehre über. Durch die Grafen von der Leyen wurde die alte Religion wieder eingeführt. Damals besaßen die Rohrbacher schon eine eigene Kapelle. Sie stand vermutlich dort, wo sich die Metzgerei Haberer befindet (später Metzgerei Rubeck). Wahrscheinlich lag um die Kapelle herum ein Friedhof (siehe Skizze). Man fand dort später gußeiserne Platten mit der Darstellung der Hochzeit zu Kana.

Rekonstruktionsversuch der Fundamente der Mittelalterlichen Kirche (Kapelle)

Rekonstruktionsversuch der Fundamente der Mittelalterlichen Kirche (Kapelle)

Im Jahre 1635 zogen die Schwedendurch unseren Ort. Unsere Vorfahren durchlebten sämtliche Grausamkeiten des dreißigjährigen Krieges. Als die Friedensglocken das Ende dieses schrecklichen Brudermordens verkündeten, zitterte ihr wehmütiger Klang über eine wüste und trostlose Stätte dahin. Rohrbach war nicht mehr.

1667 hatten sich auf den Trümmern der Vergangenheit wieder einige Menschen angesiedelt. Die Ansiedlung bestand damals aus zwei Häusern, einer Scheune, einem Stall und einer Baracke. Die Bewohner mussten nach Kirkel fronden. In diese Zeit fällt auch der Streit um die besten Weideplätze mit der Nachbargemeinde St. Ingbert. Diese wollten den Rohrbachern kein Weiderecht in der Au und am Gebrannten Wald zugestehen. Im Jahre 1779 haben die Rohrbacher in einem solchen Streite den St. Ingbertern kurzerhand den Grummet weggenommen.

Die 1692 in St.Ingbert eröffneten Kohlengruben wirkten sich auch günstig auf die Rohrbacher Verhältnisse aus. Unsere Vorfahren fanden Beschäftigung in den Gruben und betätigten sich als Fuhrleute. So wurde Rohrbach ein ausgesprochenes Fuhrmannsdorf. In das Jahr 1750 fällt die Errichtung einer Glashütte auf dem jetzigen Glashütterhof. Die Rohstoffe zur Glasbereitung wurden in unserer Gegend gefunden. Auch hier fanden unsere Vorfahren lohnende Beschäftigung. Im Jahre 1762 wurde die kaiserliche Post von St. Ingbert nach Rohrbach verlegt. Dadurch gewann unser Ort sehr an Bedeutung und an neuen Verdienstmöglichkeiten. Das Postgebäude wurde aus den Steinen eines Jagdschlosses der Grafen von der Leyen, das niedergerissen wurde, erbaut.

Das Postgebäude erbaut um 1810 war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Poststation. So sieht es fast heute noch aus

Das Postgebäude erbaut um 1810 war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Poststation. So sieht es fast heute noch aus

Gedenkstein am Franzosenkopf (am Köppchen) in der Nähe der Christuskirche

Gedenkstein am Franzosenkopf (am Köppchen) in der Nähe der Christuskirche

Im Jahre 1793 wüteten die Franzosen wieder in unserer Gegend. In diesem Jahre fand das Gefecht am „Köppchen“ statt. Die Franzosen hatten sich auf dem „Köppchen“ gegen die vorrückenden Preußen verschanzt. Der Oberst Blücher erhielt den Befehl, die Franzosen aus ihrer Stellung zu werfen. Er lagerte bei Neunkirchen. Ein mutiger und deutschbewußter Rohrbacher Förster namens Klam führte die Preußen auf verborgenen Waldwegen auf den „Ächehiwwel“  hinter dem heutigen Forsthaus. (heute Altenpflege Bleif). Bald waren die Kanonen in Stellung gebracht. Bei den ersten Volltreffern ergriffen die erschrockenen Franzosen die Flucht und retteten sich in den nahen Auwald, wo sie auch ihre toten Kameraden begruben. Diese Stelle führt heute noch noch den Namen Franzosengrab. Der Ostabhang wird der Franzosenberg genannt.

Zu gleicher Zeit rettete auch der Rohrbacher Kleinbauer und Postangestellte Nikolaus Pfeifer unter Einsatz seines eigenen Lebens den Herzog von der Gefangennahme durch die Franzosen.

Zu dieser Zeit herrschte unter dem Druck der französischen Eindringlinge in Rohrbach eine solche Hungersnot, dass man selbst die frisch gesetzten Kartoffeln wieder aus der Erde scharrte, um den Hunger zu stillen. Auch in der Folgezeit hatte Rohrbach noch oft unter den fremden Unterdrückern zu leiden. Erst mit dem Jahre 1815 wurde das harte Los gemildert.

Mit dem Aufstiege der St.Ingberter Gruben wurden auch die erbärmlichen Zustände der Rohrbacher geändert. Sie fanden jetzt genügend Beschäftigung. Durch die Errichtung der zwei Eisenbahnlinien und industrieller Anlagen entwickelte sich Rohrbach bis zu seiner heutigen Größe.

Dieser Artikel wurde einer Festschrift anläßlich des Johannesfestes im Jahre 1934 entnommen. Autor war W. Jakob.

3 Gedanken zu “Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Rohrbachs Geschichte bis zum 19. Jahrhundert

  1. Hallo Karl !!!
    Deine Berichte über die Geschichte
    von Rohrbach werden immer spannender !!!
    Ich hoffe das Du noch viele Schmankerl
    über Rohrbach zu berichten hast !!!
    Gruß Horst

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  2. Hallo Karl, hervorragend. Wer wir waren, was wir sind.
    Die Seite wird mit Sicherheit noch viel umfassender werden.
    Ideen, was noch alles rein soll, gibt es sicher auch noch viele… Ich hatte mal Fotos gesehen vom RFV Siegerkranz, dem Gasthaus Weiser in der Barbarastraße, dem Bahnwärterhaus an der Weiche Homburg-Zweibrücken….
    Vielleicht sponsort Frank F. die Seite, wenn er einen Beitrag gewidmet bekommt. 😉

    Gruß
    Michael

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